INTERVIEW
Techno Classica Essen
Mini-Register begrüsst den Gast aus England
100 Jahre englisches Auto - unter diesem Motto stand in diesem Jahr die Techno Classica, die vom 3. bis 7. April in Essen stattfand. 750 Aussteller aus 15 Ländern zeigten in 16 Hallen einen Querschnitt durch die Welt der Oldtimer.
In Halle 7
präsentierte das Mini-Register von Deutschland einen besonderen
Gast aus Longbridge (Birmingham), der Produktionsstätte des
legendären "Mini Cooper": Brian Dipple (siehe Foto)
arbeitet seit der Geburtsstunde im Jahre 1960 bis heute als
Karosseriebauer am "Mini" und hat alle Höhen und
Tiefen dieses Klassikers miterlebt.
Wir wollten wissen, ob es im Mini-Werk eine "Teabreak" gibt oder ob die Mini-Worker selbst auch Mini fahren? Nachfolgend einige Ausschnitte aus dem mit Brian Dipple geführten Interview:
Mini-Register: Mr. Dipple, im Namen des Mini-Register von Deutschland heißen wir Sie herzlich willkommen und danken Ihnen für die Bereitschaft, den deutschen Mini-Fans Rede und Antwort zu stehen. Besaßen Sie eigentlich jemals selbst einen Mini?
Brian Dipple: Ja, ich hatte einen schwarzen Mini. Mein Sohn hat das Getriebe ruiniert und danach habe ich ihn verkauft. Meine Freundin hatte insgesamt vier Minis und fährt auch heute noch einen.
Mini-Register: Wenn Sie sich unter den vielen Minis einen hätten auswählen dürfen, welchen hätten Sie genommen?
Brian Dipple: Mini Cooper S.
Mini-Register: Die Mini Cooper haben durch ihre Erfolge im Motorsport in den sechziger Jahren ein überragendes Image erzeugt. Haben Sie und Ihre Kollegen an der Produktionsstraße davon etwas zu spüren bekommen?
Brian Dipple: Ja, ich hatte Nachtschicht als Paddy Hopkirk die Rallye Monte Carlo gewann. Alle Kollegen ließen ihre Arbeit liegen. Wir machten uns einen Tee und haben nur noch gefeiert.
Mini-Register: Die Verkaufszahlen des Mini gingen Ende der siebziger Jahren deutlich zurück und die Einstellung der Produktion schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Hat Sie dies beunruhigt?
Brian Dipple: Ja, sehr, aber dank der öffentlichen Empörung über die geplante Stillegung und dank der vielen Mini-Fans wurde entschieden, die Produktion fortzuführen.
|
Mini-Register:
Die siebziger und frühen achtziger Jahre brachten eine
Reihe von Autos hervor, die den Mini ersetzen sollten,
aber wenig erfolgreich waren. Denken Sie z.B. an den
Innocenti 90, Innocenti de Tomaso, an den Metro. Oder
denken Sie an den 1275 GT oder die Clubman-Serie, die
noch Mini-charakteristisch waren. Haben Sie jemals daran
geglaubt, daß eines dieser Autos den Mini ersetzen
könnte? Brian Dipple: Nein, für uns war der Mini unersetzbar, nur echt mit der quadratischen Front. Mini-Register: Was halten Sie von dem Concept Car, das auf dem Chassis des MGF basiert und aus Anlaß der diesjährigen Rallye Monte Carlo der Öffentlichkeit präsentiert worden ist? Brian Dipple: Ich gehöre schon zu den älteren Kollegen und weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, aber die jungen Kollegen hoffen, das es ein Erfolg wird. Mini-Register: Lassen Sie uns über den Charakter des Minis sprechen. Der Mini hat aus Gründen des Umweltschutz verschiedene technische Änderungen erfahren. Heute verfügt der Mini über viel Elektronik, früher war mehr Mechanik und man konnte noch alles selber reparieren. Heute hat der Mini ein sehr lang übersetztes Getriebe, die alten Minis eine wesentlich bessere Beschleunigung. Kann man die im Laufe der Jahrzehnte gebauten Minis eigentlich überhaupt miteinander vergleichen? |
Brian Dipple: Ein Vergleich mit den frühen Minis ist heute aufgrund der durch Kundenwünsche ausgelösten technischen Veränderungen nicht mehr möglich. Es war außerordentlich clever, den Mini technisch zu verbessern, seine äußere Gestalt aber unangetastet zu lassen.
Mini-Register: Um noch einmal auf die letzte Frage zurückzukommen - ist die Wandlung des Mini-Charakters nach Ihrer Einschätzung ein Vor- oder ein Nachteil?
Brian Dipple: Auf jeden Fall ein Gewinn, weil damit das Überleben des Mini gesichert worden ist und damit auch der Erhalt meines Arbeitsplatzes .
Mini-Register: Mr. Dipple, das Ende der Mini-Produktion wurde mehrmals vorhergesagt, fand aber bisher nicht statt. Nun sind seine Tage aber unwiderruflich gezählt. Bedeutet das Ende der Mini-Produktion auch Ihre Verabschiedung in den Ruhestand?
Brian Dipple: Ich erwarte, daß die Produktion im Jahre 2000 langsam ausläuft, dann muß ich noch zwei Jahre arbeiten. Ich denke, daß ich diese zwei Jahre an einem anderen Rover-Modell eingesetzt werde.
Mini-Register: Welchen Insider-Tip können Sie den deutschen Mini-Fans geben?
Brian Dipple: Ich kann Ihnen allen nur dazu raten, den Mini weiter zu fahren und viel Spaß damit zu haben.
Mini-Register: Soll der Käufer eines Mini bis zum Ende der Produktionszeit warten oder glauben Sie, daß die Produktion über Nacht eingestellt wird und man besser früher als später einen neuen Mini kauft?
Brian Dipple: Nein, nicht warten, sondern kaufen, kaufen, kaufen! Je mehr Minis verkauft werden, desto größer ist die Chance, daß er weiter gebaut wird.
Mini-Register: Mr. Dipple, vielen Dank für das Interview.
Brian Dipple: Vielen Dank für den herzlichen Empfang.
Das Interview fand bei der Techno Classica 1997 in Essen statt mit Peter Brummund vom MINI REGISTER und Mr. Brian Dipple, der auf der MINI-Produktionslinie arbeitet.
Photographs: Mini Register of Germany, Mini Wolrd Magazine and Classic and Sportscar
Photographic Art: Robert Webster, Netgate.De - Internet Service Provider
